Advent entfällt

Advent entfällt

Arzenheimer . Veröffentlicht in Gesellschaft 1149 Views Keine Kommentare

Streitigkeiten um Namensrechte eskalieren.

Es hätte so schön sein können, aber wie heißt es doch in dieser dämlichen Weisheit (oder war´s ein Song von Roland Kaiser): es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Es begann damit, dass sich ein Roger S. aus Chemnitz die Wortmarken „Advent“, „Weihnachten“, „Nikolaus“ und „Christkind“ sichern ließ. Seither ist es Veranstaltern verboten, diese Worte in den Bezeichnungen diverser Festivitäten zu verwenden (das geht übrigens bis zum Kindergartenfest). Nun aber hat ein gewisser Herbert F. aus Neuburg den sprichwörtlichen „Vogel“ abgeschossen. Er beansprucht das Markenrecht für das gesamte Wortfeld „Winter“ für sich, so auch für den Begriff „Winterzauber“ (Auswirkungen auf die Skiindustrie sind noch nicht abzusehen). Doch es regte sich nun Widerstand aus Ingolstadt, wo sowohl die Veranstalter der Charity-Gala Winterzauber als auch die Organisatoren des Eislaufvergnügens mit dem Arbeitstitel Winterzauber jeweils 1,2 Millionen Euro für die Nutzung des Namens abtreten sollten. Gleichzeitig verklagte die Gewerkschaft der Weihnachtswichtel die Veranstalter von Wichtelzeit und Weihnachtszauber in Pfaffenhofen wegen unerlaubter Nutzung des Begriffs „Wichtel“, die Gewerkschaft der Zauberer schloss sich der Klage an. Unterdessen wurde auch bekannt, dass die katholische Kirche den Ausschank von Getränken mit dem Namen „heißer Bischof“ in der Nähe des Eichstätter Doms untersagen will. Eine entsprechende Klage liegt dem Amtsgericht vor. Auch die Verwendung kirchlicher Symbole wie Bischofsstab, Mitra und Süßigkeiten für kleine Kinder sollen nur noch zu klerikalen Anlässen verwendet werden dürfen.

 

„Diese ganzen Rechtsstreitigkeiten wachsen uns über den Kopf“, bedauert Markus Fuchs, der derzeit der Initiative IngolStadtLandDings vorsteht. „Wir haben deshalb beschlossen, den Advent komplett zu streichen. Das entlastet die Justiz, es entfallen die lästigen Alkoholkontrollen und diese ganzen Sauf-Veranstaltungen, die als Weihnachtsmarkt deklariert werden, können getrost woanders abgehalten werden.“ Fuchs betonte allerdings, dass diese Entscheidung nichts mit der Forderung der Linken in NRW zu tun habe, die St. Martins Umzüge abzuschaffen. Und auch das Weihnachtsmarktverbot in Berlin-Kreuzberg habe nicht zur Inspiration gedient. „Wir kommen immer noch selber auf diesen Scheiß“, meinte Fuchs, „Da braucht´s keine Preißn dafür.“

 

Nach dem Stopp sämtlicher Preisverleihungen (siehe http://erna-magazin.com/?p=205) ist das nun schon der zweite drastische Schritt, mit dem die Initiative IngolStadtLandDings Profil und Eigenständigkeit beweist.

Kommentieren