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Barthelmarkt und Oktoberfest entfallen

Barthelmarkt und Oktoberfest entfallen

Arzenheimer . Veröffentlicht in Gesellschaft, Politik 886 Views Keine Kommentare

Festzelte werden zu Flüchtlingslagern – Wirte zeigen Herz

Das größte Volksfest der Welt und das größte Volksfest im nördlichen Oberbayern haben vieles gemeinsam. Es fließt reichlich Bier, es wird auf den Bierbänken gesungen und getanzt und manch ein Wirt oder Schausteller macht den Umsatz des Jahres. Doch in diesem Jahr ist alles anders: „Wir wollen kein rauschendes Fest feiern, während andere in Not sind“, erklärt Hubert Obergäriger, der Sprecher der Vereinigung der oberbayerischen Biererzeuger, kurz ObbBi. Man habe sich deshalb entschlossen, die Festgelände in Oberstimm bei Manching und auf der Münchner Theresienwiese in Unterkünfte für Flüchtlinge umfunktioniert. „Wirte zeigen Herz“ heißt diese Aktion.

„Schließlich wurde angesichts des Irak-Kriegs auch mal eine Faschingssaison abgesagt. Jetzt, wo es wieder um Menschenleben geht und Hunderttausende Flüchtinge dringend Hilfe brauchen, sind wir zur Stelle. Das ist unsere Christenpflicht“, meint Resi Rumpfhuber, die mit ihrem Sohn Xaver einen Brezenstand beim Barthelmarkt und auf der Wiesn betreibt. Und sie fügt hinzu: „Es ist außerdem die perfekte Gelegenheit, den Kritikern, die uns vorwerfen, es ging nur um den Kommerz, das Gegenteil zu beweisen.“ Der Aufbau der beiden Feste geht deshalb auch planmäßig weiter, nur dass die Bierzelte zu Wohnzelten umgestaltet werden. „Praktischerweise ist ja eine perfekte Infrastuktur mit Toiletten, Catering, medizinischer Versorgung und sogar Dolmetschern vorhanden. Fahrgeschäfte, Losbuden etc. bleiben ebenfalls vor Ort („wir wollen den meist traumatisierten Menschen die Freude wieder zurück bringen“), so dass sich äußerlich nichts von den Vorjahren unterscheidet.

„Im Prinzip ist alle wie immer, nur dass die Besucher kein Dirndl und selten Lederhosen tragen,“ meint Hubert Obergäriger. Firmen, Promis und Schicki-Mickis, die bereits Logen für horrende Preise reserviert haben, bekommen ihr Geld deshalb auch nicht zurück. Die Kohle wird für die Flüchtlingsbetreuung eingesetzt: „Das ist sicherlich im Sinne all der Großkopferten, die sich nun im Licht der Barmherzigkeit sonnen können.“

PferderennenBarthelmarkt

 

 

 

 

 

 

 

Oide Wiesn und Roßmarkt finden statt

Den Flüchtlingen die bayerische Kultur näher bringen – auch das soll durch die Unterbringung auf den beiden Festwiesen in München und Oberstimm erreicht werden. Deswegen werden die Flüchtlinge mit Bier und einer Begrüßungsbrezn empfangen, Blasmusik wird regelmäßig erklingen und auch die Umzüge finden wie geplant statt. Und weil sowohl das Oktoberfest als auch der Barthelmarkt auf reichlich Tradition zurück blicken können, bleiben auch diese ursprünglichen und echten Bestandteile der Feste erhalten: Der Pferdemarkt und das Pferderennen werden beim Barthelmarkt wie immer durchgeführt, die Oide Wiesn wird in München einen Eindruck vom echten Wiesngeschehen abseits des Massenkonsums vermitteln. „So können wir weiter die Tradition pflegen und trotzdem auf aktuelle Notsituationen reagieren“, freut sich Hubert Obergäriger.

Fotos: Andreas Steinhoff / Kajt Kastl

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