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„Farbe ist nur was für das Proletariat!“

„Farbe ist nur was für das Proletariat!“

Arzenheimer . Veröffentlicht in Kultur 606 Views Keine Kommentare

Ein farbphilosophisches Streitgespräch mit Blick auf die Rathausplatzmöblierung in Ingolstadt.

Sind die neuen Sitz- bzw. Liegemöbel auf dem Ingolstädter Rathausplatz schön oder hässlich? Eine Diskussion, die vor allem in den sozialen Netzwerken eine exorbitant hohe Aufmerksamkeit genießt. Grundsätzlich sei festgestellt: es geht um Möbel und nicht um ein Endlager für Atommüll oder eine Pershing-Raketen-Stellung. Womöglich stehen die Möbel aber stellvertretend für ein grundsätzliches Dilemma: wie viel Farbe verträgt der Mensch? Und wenn ja, welche? Der Farb-Philosoph Dipl. Psych. Holger Heinemann-Hagendorn vertritt die These, dass es gar nicht bunt genug sein kann. Ganz anders sieht das Prof. Dr. Herbert Grauvogel. Für ihn hat Farbe in der anspruchsvollen Kunst und Architektur nichts zu suchen.

Heinemann-Hagedorn: Woher kommt Ihre These, dass wahre Kunst grau sein muss?

Grauvogel: Es ist statistisch bewiesen, dass ältere Herren mit höherem Bildungsabschluss, im übrigen auch die Damen, zu dezenten Grautönen neigen. Das gilt für die Auswahl ihrer Kleidung genauso wie für das Mobiliar oder das Automobil. Im Übrigen steh nicht nur das Grau für eine gewisse intellektuelle Ausstattung des Trägers, sondern auch das Schwarz.

Heinemann-Hagedorn: So, so. Der schwarze Rollkragenullover ist also der Inbegriff von Intellektualität.

Grauvogel: Korrekt. Sie sehen, kräftige Farben sind nur etwas für das Proletariat.

Heinemann-Hagedorn: Und was ist mit den wunderbar bunten Kunstwerken der Pop Art zum Beispiel?

Grauvogel: Das ist keine Kunst. Allerhöchstes Kitsch. Wie dieses Hundertwasserzeug.

Heinemann-Hagedorn: Dann gehen wir mal ganz weit zurück in der Kunstgeschichte. Die griechischen Statuen, die ägyptischen Tempel waren ursprünglich voller Farbe. Nur weil nach der Wiederentdeckung die Farbe sprichwörtlich ab war, sind sie doch nicht plötzlich Kunst geworden. Das waren sie schon immer!

Grauvogel: Mitnichten. Wenn etwas älter wird, wird es automatisch zum Kulturgut, zur Kunst und damit ist es schön.

Heinemann-Hagedorn: Brigit Bardot.

Grauvogel: Bitte?

Heinemann-Hagedorn: Brigit Bardot ist die personifizierte Widerlegung Ihrer These.

Grauvogel: Wenn Sie mir das erläutern?

Heinemann-Hagedorn: Brigit Bardot ist älter geworden, aber nicht schöner.

Grauvogel: Aber sie gehört zum Kulturgut. Zur Kunst. Dass Kunst schön sein muss, diese Meinung gehört ja wohl ins vorletzte Jahrhundert.

Heinemann-Hagedorn: Nun wiederlegen Sie sich gerade selbst.

Grauvogel: Wenn Sie die Diskussion auf ein derart niedriges Niveau herunter fahren…

Heinemann-Hagedorn: Sie sind doch derjenige, der die Mitmenschen mit Verachtung straft!

Grauvogel: Warum habe ich mich eigentlich auf dieses Gespräch eingelassen. Mit jemandem, der einen Warhol im Schlafzimmer hängen hat.

Heinemann-Hagedorn: Der ist wenigestens echt, was man von Ihrer Doktorarbeit ja nicht behaupten kann.

Grauvogel: Sie impertinenter Voll pieeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeep

Heinemann-Hagedorn: Sie können mich mal am pieeeeeeeeeeeeeep, Sie alter M pieeeeeeeeeeeeeep

An dieser Stelle musste das Gespräch abgebrochen werden.

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