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Grün und gut

Grün und gut

Arzenheimer . Veröffentlicht in Kultur 1037 Views Keine Kommentare

Kleiner Frosch erobert die Kunstszene.

Eine Amphibie auf dem Weg zum Weltstar: der kleine grüne Kunststofffrosch, den Künstlerin Tatjana Jablonski-Heinemann in ihrem „Amphibic Art Project“ abgelichtet hat, etnwickelt sich zum Superstar. Nachdem die beeindrucken Fotografien im Museum für Konzeptlose Kunst und Rotwein in Ingolstadt zu sehen waren, interessieren sich Galerien in London, New York und Ulan Bator für das Werk. „Damit hatte ich nicht gerechnet“, meint die Künstlerin bescheiden. Ihre Aufnahmen, die durch schlichte Einfalt und gnadenlose Einfallslosigkeit bestechen und sich damit wohltuend von den vielfach überinterpretierten Fotografieen ihrer Zeitgenossen abheben, werden bereits für Tausende von Euro gehandelt. Glücklicherweise hat Tatjana Jablonski-Heinemann zuvor noch einen Kalender für das Erna Magazin produziert. Eine echter Glücksfall, denn aktuell sind die in Eichstätt entstandenen und darin verarbeiteten Fotografien unbezahlbar.

AmphibicArtKalender

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über die Künstlerin:

Tatjana Jablonski-Heinemann lebt zurückgezogen in einem Einödhof in der Hallertau. Ihr Leben widmet sie der Kunst. Vor 21 Jahren ist sie hierher gezogen, um der hektischen Berliner Großstadtwelt zu entfliehen. „Ich hatte einen gut dotierten Job als Dozentin für Alt-Amerikanistik und war zugleich auch noch Betreiberin einer Galerie für mittelamerikanische Kunst des 17. Jahrhunderts. Irgendwann wurde der Stress einfach zu groß.“ Von einem Tag auf den anderen warf sie alles hin, packte lediglich das Nötigste in einen Koffer und brach auf. „Ich wollte das machen, wovon ich so viel gelesen hatte. Eine Expedition in unbekanntes, exotisches Territorium wagen.“ Und das tat sich dann auch. Sie wagte sich in die Hallertau. „Das erste Aufeinandertreffen mit den Eingeborenen erinnerte mich an die Erzählungen eines Alexander von Humboldt, in denen er von den Begegnungen mit Indianern am Orinoco berichtet.“ Dank eines Dolmetschers freundete sich Tatjana Jablonski-Heinemann jedoch schnell mit einem älteren Ehepaar an, das einen abgelegenen Einödhof bewohnte und einen Nachfolger für die Bewirtschaftung suchte. Die beiden Söhne der betagten Herrschaften hatten sich kurz nach dem Fall der Mauer mit zwei platinblonden Russinnen nach Spanien abgesetzt und dort einen Saunaclub für deutsche Urlauber gegründet. Vater Georg und Mutter Josepha blieben zurück. Allein und stocksauer. Für sie war die Berlinerin mit dem seltsamen Akzent die Rettung und so zog Tatjana Jablonski-Heinemann 1992 ein und die beiden Rentner gönnten sich einen entspannten Lebensabend in einer Seniorenresidenz bei München.

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Amphibien als Metapher

Die unmittelbare Nähe zur Natur, die Abgeschiedenheit des Hofes, das Leben im Rhythmus der Jahreszeiten – es wäre eigentlich die ideale Voraussetzung dafür gewesen, ein Yoga-Studio zu eröffnen. Weil das aber gerade alle anderen Ex-Großstadtfrauen im ländlichen Raum getan hatten, wandte sich Tatjana Jablonski-Heinemann der Kunst zu. Schließlich hatte sie die Kunst schon immer geliebt. Und sie erinnerte sich an ihre Studien über Tiergottheiten in Mittelamerika. Als sie eines Tags das muntere Quaken eines Frosches aus dem nahe gelegenen Teich vernahm, kam ihr die künstlerische Erleuchtung und sie begann den Fotografiezyklus „Amphibic Art Project“ zu entwickeln. Der Frosch sei eine wunderbare Metapher für die Menschheit, so Jablonski-Heinemann: „Alleine ist er ziemlich hilflos, aber wenn er in Massen auftaucht, dann wird er zur Plage für die Erde.“ Die Fotografien werden nach der Sonderausstellung des Museums für Konzeptlose Kunst und Rotwein in Ingolstadt bald in der Saatchi Gallery in London zu sehen sein.

 

 

 

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