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Image ist alles

Image ist alles

Arzenheimer . Veröffentlicht in alles andere, Gesellschaft 603 Views Keine Kommentare

Charity-Image-Agentur bewahrt Firmen vor der Pleite.

In einem unscheinbaren Hinterhof in München-Pasing befindet sich die Agentur von Jürgen B. (Name liegt der Redaktion vor, darf aber nicht genannt werden, weil Erna sonst der Geldhahn abgedreht wird). Es ist Bayerns erste Charity-Image-Agentur, die hier seit zehn Jahren zu finden ist. Oder besser: gar nicht gefunden werden soll. Denn ihre Beratertätigkeit ist streng geheim. Jürgen B. hat eine Ausbildung in Psychological Management in Silicon Valley absolviert und dort gelernt, wie wichtig das Image für das Überleben eines Unternehmens ist. Sein Wissen gibt er zusammen mit drei Ex-Schutzgeldexperten, einer ausgebildeten Nahkämpferin aus Fernost und einem Hacker an seine Klienten weiter.

Wen beraten Sie denn mit Ihrer Agentur?

In erster Linie sind es Unternehmen oder besser Unternehmer, die ein Imageproblem haben. Das kann daran liegen, dass sie Produkte herstellen, die sich als umweltschädlich oder gar lebensgefährlich heraus gestellt haben. Es sind aber auch Produzenten dabei, die beispielsweise Lebensmittel erzeugen, die schlichtweg fett und krank machen. Oder abhängig. Wir beraten außerdem Geschäftsleute, die ins Visier der Steuerfahndung geraten sind oder hoch verschuldet und eigentlich pleite sind. Also alles tragische Fälle, die nur durch ein positives Image gerettet werden können.

Aber man könnte doch mit betriebswirtschaftlichen Methoden für Abhilfe sorgen?

Natürlich. Aber die günstigste Methode, ein positives Image aufzubauen, ist nun mal Charity. Stellen Sie sich vor, Sie müssten Ihr Produkt verbessern? Allein die Entwicklungskosten, nicht auszudenken. Und man weiß ja trotzdem nicht, ob der Kunde es mag. Was er aber mag, sind gute, warmherzige Menschen. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Wir haben selbst einen Test gemacht und auf eine Packung extrem ungesunder Süßigkeiten ein neutrales Label und eines mit hungernden Afrikanern und einer fiktiven Hilfsorganisation geklebt. Die Süßigkeiten mit den traurigen Bildern sind weg gegangen wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln.

Sie vertreten in Ihrem Buch „Image ist alles – der Rest ist Bullshit“ die These, dass durch Charity sogar die Gläubiger milde gestimmt werden können. Wie soll das funktionieren?

Nehmen wir an, Sie gehören zu der nicht geringen Zahl an Unternehmern, die leider kein Geld für die Sozialabgaben ihrer Angestellten oder die Rechnungen der Handwerker haben. Dadurch haben sie ein gewisses Aggressionspotenzial geschaffen, das es nun abzubauen gilt. Wenn sie ihrer Verkäuferin oder Servicekraft, die seit Monaten kein Geld bekommen hat, mit Tränen in den Augen erklären, dass sie das Geld an arme Kinder in Rumänien gespendet haben, dann nehmen sie der Frau, die im Idealfall selber Kinder hat, den Wind aus den Segeln. Bei Steuersündern funktioniert das übrigens genauso gut, das sehen wir ja am Fall Hoeneß. Die bisher geleisteten guten Taten wiegen für seine Anhänger die Steuerhinterziehung wieder auf. So muss es sein. Besser hätten wir das auch nicht hingekriegt.

Was gehört denn nun zum perfekten positiven Charity Image?

Sehr gut ist eine Charity-Lady, eine gut aussehende Unternehmergattin, die auch im Abendkleid eine gute Figur macht und den Smalltalk beherrscht. Sie repräsentiert das Unternehmen auf Ereignissen wie einer Gala, Benefiz-Verkaufsaktionen, winkt mit der Startflagge beim Promi-Rennen oder geht mit den VIPs zum Golfen. Wenn die eigene Frau dazu nicht in der Lage ist oder einfach schrecklich aussieht, raten wir zu einer feschen Assistentin der Geschäftsführung, die nach dem Aspekt der optischen Beeindruckung eingestellt werden sollte. Lesen Sie dazu mehr in meinem Buch „Die wahre Frauenpower liegt zwischen Hals und Hüfte“.

Aber eine Frau allein kann ja nicht das Image eines ganzen Konzerns verbessern?

Stimmt. Ganz wichtig sind die Medien. Spenden, Obdachlose aufnehmen, Schulen in Afrika bauen, den Selbstbefreiungstöpferkurs anonymer Ex-Nazis zu unterstützen ist lobenswert, aber wenn es keiner mitbekommt, hat es für das Unternehmen keinen Mehrwert. Eine Medienpartnerschaft ist deshalb unerlässlich. Wir raten dazu, sich kompromittierendes Material über den Schreiberling oder die Redaktionstussi zu besorgen, um im Notfall etwas Druck aufbauen zu können. Dann sind gewisse geschäftliche Verflechtungen mit den Medien immer gut. Achten Sie aber darauf, dass es nicht zu offensichtlich wird. Jede Woche ein todkrankes Kind zu besuchen und damit in der Zeitung zu stehen ist vielleicht herzerwärmend, aber aus Sicht des Imageberaters totaler Schwachsinn.

Können Sie uns verraten, wen Sie in der Region IngolStadtLandDings schon erfolgreich vor dem geschäftlichen Niedergang gerettet haben?

Das kann ich natürlich nicht. Ich kann nur so viel sagen: es sind einige, es sind nahezu alle Branchen dabei und die Nachfrage nach unseren Leistungen wird von Jahr zu Jahr höher.

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