Influencerin schult um zur Intelligencerin

Influencerin schult um zur Intelligencerin

Arzenheimer . Veröffentlicht in Gesellschaft, Wirtschaft 148 Views

DreamyDana12 hat sich wegen Corona voll weiter gebildet.

Jahrelang hat sie modische Trends gesetzt, Bilder von sich in heißen Posen gepostet und keinen Besuch im Nagelstudio ausgelassen. Influencerin DreamyDana12 hat in kürzester Zeit tausende von Followern durch ihre Styling- und Marketingtipps („Fotos in schwarz-weiß lassen dich voll schlau wirken“) gewonnen und dabei auch ganz gut verdient. Die Ingolstädterin, die ihren Klarnamen nicht veröffentlicht sehen möchte, gehört zur „Generation Instragram“, die wegen ihrer Konsumfreude und Selbstverherrlichung gerade in der aktuellen Corona-Krise in die Kritik geraten ist. Aber jetzt, wo sich das schicke Leben fast nur noch in der Wohnung abspielt, ist sie ohnehin kaum noch systemrelevant.

Doch DreamyDana12 hat darauf reagiert: „Ich hab mich voll neu erfunden,“ erklärt sie im WhatsApp Interview mit dem Erna Magazin. Die vergangenen Wochen so ohne Party, Prosecco-Treff, Nagelstudio, Friseur und vor allem ohne Ausflüge zu fototauglichen Insta-Locations („Selfies mit Mundschutz sind einfach auch voll ugly“) habe sie nachdenken lassen. Sie sei selbst total überrascht gewesen, über was man alles nachdenken könne, gibt sie zu. Ein Umschulungsangebot der Online-Akademie „Denkmalwieder“ (betrieben im Digitalen Gründerzentrum Ingolstadt vom örtlichen Verein zur Unterstützung intellektuell Bedürftiger) hat ihr dabei geholfen. Die Video-Tutorials, die User freundlich mit wenig Text und viel Bild auskommen, haben die junge Frau ganz behutsam an schwierigste Themen heran geführt, z.B. „wie lese ich eine analoge Straßenkarte“, „was machen die vielen Buchstaben in einem Buch“, „warum scheint die Sonne nur tagsüber“, „weshalb ein Steuerberater kein Beifahrer ist“ oder „gab es schon menschliches Leben vor dem Internet“. Nach wenigen Wochen intensiver Online-Seminare durfte sie jetzt den Abschluss „Intelligencer“ machen. Das habe sie „mega happy“ gemacht, verriet sie dem Erna Magazin. „Influencer klingt sowieso voll nach Krankheit. Hab ich gelernt. Staunst Du, was?“ meinte DreamyDana12 und wandelte ihre Berufsbezeichnung von Influencer in Intelligencer um. Bleibt zu hoffen, dass ihre Follower da mit machen, wenn sie statt Schminktipps jetzt Literaturempfehlungen gibt.

Foto: Freepik