Wohnen ist so teuer geworden, dass erste Familien aufs Schiff wechseln
Wohnen ist so teuer geworden, dass erste Familien aufs Schiff wechseln Mobilie statt Immobilie

Mobilie statt Immobilie

Arzenheimer . Veröffentlicht in alles andere, Gesellschaft, Wirtschaft 431 Views Keine Kommentare

Die hohen Wohnungspreise und ihre seltsamen Folgen

Wenn die Zeiten besonders hart sind, wird der Mensch besonders erfinderisch. Womöglich hat er deshalb auch die Steinzeit und den Säbelzahntiger überlebt. Heute haust er zwar nicht mehr in einer Höhle, aber es plagen ihn ganz andere Probleme, nämlich unbezahlbare Immobilien und mangelnder Wohnraum. Der Trend geht daher weg von der klassischen Immobilie hin zur Mobilie. Während eine Immobilie unbeweglich ist (vom lateinischen immobilis), kann sich eine Mobilie fort bewegen und muss daher nicht auf Grundstückspreise Rücksicht nehmen.

Familie Hagenstett bewohnt seit einigen Wochen eine solche Mobilie, genauer: ein Piratenschiff, das nun in der Nähe der Saturn Arena geankert hat. „Der Anlegeplatz ist ideal für uns“, schwärmt Mama Marita Hagenstett, „wir können uns nebenan Lebensmittel holen, mein Mann ist mit dem Auto ganz schnell auf der A9 und die Kinder plantschen gerne gegenüber im Wonnemar.“ Bisher ist die Familie noch nicht des Platzes verwiesen worden. „Wir bleiben so lange, wie wir können,“ erklärt Papa Hagen, der als Systemadministrator beruflich viel unterwegs ist und auch oft umziehen muss. „Irgendwann war uns diese ewige Wohnungs- oder Haussuche zu anstrengend. Und in Ingolstadt konnten wir uns nicht mal ein Ein-Zimmer-Apartement leisten. Da haben wir beschlossen, uns ein Boot zu bauen und darin zu wohnen.“ Die Kinder Sören und Svenja finden es toll (noch passen sie auch wegen ihrer geringen Größe in die winzigen Kinderzimmer unter Deck). Mama Marita hat jetzt auch keine Angst mehr vor einem Ortswechsel: „Dann stechen wir ins See und ankern woanders. Zuhause ist schließlich immer da, wo wir sind.“

Ein zweites Wohnschiff hat übrigens inzwischen in der Nähe des Herzogskastens fest gemacht. Auch hier ist eine Familie zuhause, die sich eine reale Wohnung in Ingolstadt nicht leisten kann.

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