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Psychologen erwarten Ansturm

Psychologen erwarten Ansturm

Arzenheimer . Veröffentlicht in Gesellschaft, Politik, Wissenschaft 834 Views Keine Kommentare

Häufige post electionale Depressionen sehr wahrscheinlich.

Wenn einem plötzlich die Lebensgrundlage, ja jede Daseinsberechtigung entzogen wird, dann ist das für jeden Betroffenen eine Katastrophe. Besonders schlimm ist es für jene, die im Lichte der Öffentlichkeit ihr Bestes gegeben haben, um dann gnadenlos in einem dunklen, tiefes Nichts zu verschwinden. Und es ist nicht Uli Hoeneß gemeint. Nein. Die Kommunalwahl ist ein emotionaler Höhepunkt in zweierlei Hinsicht: für die einen, die sich freuen, es geschafft zu haben. Und für die anderen (und deren Anhänger), weil sie wieder zurück müssen in den grauen tristen Alltag der Bedeutungslosigkeit. Das kann krank machen. Der Psychologe Prof. Dr. Walter Düsterblick von der Alkoholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt hat dieses Phänomen erforscht.

Sie sprechen von einer post electionalen Depression. Wie äußert sich die?

Nun, die Betroffenen bleiben zunächst ihrer „alten Welt“ verhaftet, indem sie weiter lauthals Wahlparolen deklamieren, obwohl ihnen nur ihr Toaster zuhört. Sie kommentieren weiterhin jede Regung des Gegners, auch wenn der nur die Mülltonne raus stellt. Mit der Zeit ändert sich das. Der Betroffene verinnerlicht allmählich seine Wahlniederlage und wird sich seiner Bedeutungslosigkeit bewusst. Das ist ein traumatisches Erlebnis, eine schockierende Erkenntnis, die zu übler Laune, Traurigkeit, Antriebslosigkeit und schließlich zur Depression führen kann.

Was kann man dagegen tun?

Nicht bei einer Wahl antreten. Das würde schon mal einen möglichen Misserfolg ausschließen. Wer trotzdem in die Politik geht, der sollte eines beherzigen: nicht jeder, der einen angrinst, ist ein Freund. Nicht mal bei facebook.

Welche Berufsgruppe sind noch betroffen?

In erster Linie die Medien. Wochenlang haben sie jeden Mist über Kandiat X und Kandidatin Y geschrieben und ihre Daseinsberechtigung darin gesehen, Skandale ans Licht zu holen oder Falschmeldungen zu revidieren. Nun muss man sich wieder auf Tatsachen und Inhalte konzentrieren. Das ist nicht einfach, für manche sogar unmöglich. Erschwerend kommt hinzu, dass die Finanzierung manch eines Mediums nun auf der Kippe steht. Wenn sich ein Anzeigenblatt zu 90 Prozent aus Wahlwerbung finanziert, sieht es nach einer Wahl recht düster, um nicht zu sagen schwarz aus.

Schwierige Zeiten kommen aber auch auf die Wäschereien zu. Im Wahlkampf haben sie davon profitiert, dass täglich schmutzige Wäsche gewaschen wurde. Doch nun ist das erstmal vorbei. Jeder hat eine reine Weste. Bis zum nächsten Wahlkampf zumindest. Ja und besonders hart wird es auch die sozialen Vereine und Verbände treffen. Vor einer Wahl werden sie nahezu ununterbrochen mit Spenden beglückt, jeden Tag werden entsprechende Schecks in die Kamera gehalten und der spendable Kandidat lächelt brav dazu. Nach einer Wahl gibt’s da oft nichts mehr zu lachen.

Ist speziell die Kommunalwahl deshalb eigentlich gesundheitsgefährdend?

Oh ja! Die Psychologen rechnen mit einem erhöhten Patientenaufkommen. Denn bei der Kommunalwahl können sich Sieger und Besiegte ja nur schwer aus dem Weg gehen. Bei der nächsten Sitzung sieht man sich wieder. Die einen oben auf dem Bürgermeistersitz, die anderen schlimmstenfalls auf der Zuschauerrängen, weil über ihren Schwarzbau entschieden wird. Da will man doch nicht gleich in Tränen ausbrechen.

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