Selbsthilfegruppe „AfD“ gegründet

Selbsthilfegruppe „AfD“ gegründet

Arzenheimer . Veröffentlicht in alles andere, Gesellschaft 186 Views

„Anonyme fleischfressende Dieselfahrer“ treffen sich heimlich in Ingolstadt

Sie treffen sich heimlich, im Dunkeln, hinter einem Dönerstand irgendwo in einer herunter gekommenen Ecke in Ingolstadt. Einmal im Monat verlassen Sven, Georg, Hubert, Markus und Tanja unbemerkt ihr Zuhause, um sich gegenseitig Mut zu machen. Die fünf (von Beruf Bankangestellter, Verwaltungsmitarbeiter, Gastronom, Ingenieur und Kommunikationstrainerin) gründeten vor einem halben Jahr die Selbsthilfegruppe „Anonyme fleischfressende Dieselfahrer“ in Ingolstadt. Mittlerweile haben sich einige Dutzend Betroffene dieser Gruppe angeschlossen.

„Wir sprechen dann ganz offen über Dinge, die man in der Öffentlichkeit und sogar im engsten Freundeskreis nicht thematisieren kann. Betonierte Carports zum Beispiel,“ erklärt Georg. Selbst seiner Frau hat er nichts von den Selbsthilfegruppentreffen erzählt. „Ich habe ihr erklärt, ich würde zum Physiotherapeuten gehen.“ Ursächlich für die Gründung der Gruppe war ein Disput auf einer Geburtstagsparty, die Sven und Hubert – obwohl sie sich nicht kannten – aus dem selben Grund verlassen hatten. Sie wurden als Dieselfahrer gemobbt. Draußen vor der Partylocation trafen sie sich auf eine Zigarette, fingen an, sich ihr Leid zu klagen und holten sich daraufhin einen Döner. Nach einem kurzen Telefonat mit ihren Freunden Georg, Markus und Tanja war die Gruppe geboren.

Die Treffen sind manchmal nur schwer zu ertragen. „Es wird viel geweint,“ meint Markus. Aber danach ginge es allen besser. Tabuthemen offen ansprechen zu können, ist eine Erleichterung für alle. „Mit Sven konnte ich zum ersten Mal über meinen Turbo-Diesel sprechen, ohne mich schlecht fühlen zu müssen,“ erklärt Georg. Zwei der Gruppenmitglieder bekennen sich außerdem dazu, im vergangenen Jahr eine Kreuzfahrt gemacht zu haben, drei grillen mit Holzkohle und einer ist immer noch SPD-Mitglied. „Wir sind in der Gesellschaft ganz unten angekommen,“ schluchzt Hubert.

Die Gruppe ist übrigens so anonym, dass man sie nicht einmal in die Liste der Ingolstädter Selbsthilfegruppen mit aufgenommen hat. Und das liegt nicht nur am gesellschaftlich völlig unakzeptablen Verhalten der Mitglieder, sondern auch an der Abkürzung, die ihre Gruppe blöderweise als „AfD Selbsthilfegruppe“ ausweist. „Daran hatten wir gar nicht gedacht,“ meint Tanja, „Jetzt wollen auf einmal depressive Ausländerfeinde bei uns mitmachen. Vielleicht benennen wir uns um in ADHS. Anonyme Dieselfahrer hassen Sojaburger…oder sowas.“

Grafik: Rawpixel