Spielstätte ohne Spielstätte

Spielstätte ohne Spielstätte

Arzenheimer . Veröffentlicht in Gesellschaft, Kultur 713 Views Keine Kommentare

Virtual Reality ersetzt Theatersanierung in Ingolstadt

Endlich. Ein Durchbruch in den zähen und langwierigen Verhandlungen um eine Sanierung des Ingolstädter Stadttheaters. Nachdem die Kosten immer weiter in die Höhe schossen, kam Fantasyspielefan Fabio (14 Jahre) auf eine Idee, die sich nun als Glücksfall heraus stellte. Der Sohn eines Schauspielers, der täglich mitbekommt, wie sein Vater unter den miserablen, feuchten und lebensbedrohlichen Bedingungen am Theater leidet, ist ein ausgemachter Virtual Reality Experte. Und als solcher schlug er nun vor, anstelle der teuren Sanierung einige Tausend VR-Brillen anzuschaffen, die dann an die Theaterbesucher ausgegeben werden. Dann kann man in Ruhe von Zuhause aus so tun, als säße man etwa im Großen Haus. „Auf Wunsch werden Geräusche wie Husten, das Knittern von Bonbonpapier oder Handypiepsen eingebaut, um das Gefühl des Zuschauens noch realistischer zu gestalten,“ schlägt Fabio vor. Er und sein Kumpel Rassul hätten bereits an einer entsprechenden Software gearbeitet. „Den Abonnenten könnte man die Brille außerdem das ganze Jahr ausleihen.“ Die Schauspieler wiederum könnte die Stücke an den unterschiedlichsten und vor allem sicheren Orten wie dem romantischen Klenzepark, dem wilden Pius-Viertel oder dem historischen Orbansaal aufführen. „Die Vorteile für alle Beteiligten liegen auf der Hand. Es braucht sogar niemand mehr einen Parkplatz suchen“, meint Fabio.

Sein Konzept soll nun erst einmal mit den Besuchern des Kleinen Hauses ausprobiert werden, bevor das Stadttheater komplett zur Virtual Reality Spielstätte wird. „Für das Haus selbst böte sich dann übrigens eine neue Nutzng an, möglicherweise findet hier ja das Digitale Gründerzentrum seinen Platz“, spekuliert Fabios Vater. Die Kosten für die Theatersanierung entsprechen übrigens der Anschaffung von rund 250 000 VR-Brillen, wie Rassul berechnet hat. Kaufe man nur 100 000 Brillen, wäre sogar der Bau der Kammerspiele im Klenzepark noch problemlos machbar. „Dann hätten die Freunde analoger Theaterkunst noch eine schicke Spielstätte.“

 

Foto: DragonImages

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