Wischen impossible

Wischen impossible

Arzenheimer . Veröffentlicht in Gesellschaft, Kultur, Politik, Wissenschaft 889 Views Keine Kommentare

Experteninterview zum Thema Müll und Karriere

Skandalös, unmenschlich, unerhört: Die Ankündigung der Stadt Ingolstadt, ausgerechnet bei der Raumpflege an den Schulen zu sparen, ist ein Skandal! Oder war ein Skandal, denn aufgrund der enormen Empörung wurde dieser geradezu menschenverachtende Entschluss wieder zurück genommen. Und das ist gut so, findet Pädagogikprofessor Hans-Herbert Erpendorf von der Alkoholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Erna hat mit ihm über das grundsätzliche Problem von Schulkindern und Müllbeseitigung gesprochen.

Herr Professor Erpendorf, warum sollten Schüler nicht auch ihre Klassenzimmer selbst sauber halten?
Nun, man muss hier genau hinsehen. Sie von der Presse vermischen da ja immer gerne und verallgemeinern. Grundsätzlich ist es in Ordnung, wenn sich Mittelschüler und auch Realschüler mit dem Thema Müllbeseitigung auseinandersetzen, denn das ist ein Teil ihrer beruflichen Zukunft. Ganz im Gegensatz zu den Schülern am Gymnasium. Hier wird die geistige Elite unseres Landes ausgebildet.

Und diese Elite darf keinen Putzlappen in die Hand nehmen?
Nein. Denn das wäre ein völlig falscher pädagogischer Ansatz. Diese jungen Menschen sollten zu Führungskräften erzogen werden. Und dazu gehören Soft Skills wie das Delegieren von Aufgaben und das Führen von Menschen. Sie sollten so früh wie möglich beigebracht bekommen, dass es andere dafür gibt, ihre Drecksarbeit zu erledigen. Die Deutsche Bank, die FIFA, VW, die Commerzbank, Parteien, Institutionen und Regierungen brauchen starke Persönlichkeiten an der Spitze, die wissen, wie man etwas unter den Teppich kehrt, ohne sich selbst dabei die Hände schmutzig zu machen. Außerdem könnten derart belastende Tätigkeiten wie Schrubben oder Wischen zu Traumata führen.

Das müssen Sie jetzt näher erläutern.
Sie können einen hochbegabten, jungen Menschen doch nicht dazu zwingen, das zu tun, was zu Hause die rumänische Zugehfrau macht, die nicht mal das Wort Mindestlohn buchstabieren kann. Und stellen Sie sich vor, ein Klassenkamerad, der womöglich acht Jahre später mit dem „Putzopfer“ ein Weltunternehmen leitet, hat ihn in dieser peinlichen Situation auch noch beobachtet? Dieser Zustand der Erniedrigung kann zu einer schweren Persönlichkeitsstörungen führen, die sich in Wasch-, Dusch- und Deo-Zwängen ein Leben lang äußern kann. Die Führungsetagen deutscher Top-Unternehmen sind voll von armen Geschöpfen, die in ihrer Jungend unzumutbare Belastungen erlitten haben. Die Hochkultur schließe ich da ausdrücklich mit ein. Oder haben Sie schon einmal davon gehört, das ein Herbert von Karajan, ein Picasso oder Grass den Müll rausgetragen hätten? Nein. Elite heißt eben auch, nicht all das machen zu müssen, was alle machen. Sonst hätte der Bergriff Elite ja gar keinen Sinn.

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