Stadträte und Co. müssen künftig zur Gruppentherapie
Stadträte und Co. müssen künftig zur Gruppentherapie Gruppentherapie für Kommunalparlamentarier

Gruppentherapie für Kommunalparlamentarier

Arzenheimer . Veröffentlicht in Gesellschaft, Politik 505 Views Keine Kommentare

Therapiesitzungen zeigen erste Erfolge in Ingolstadt.

Es ist in vielen lokalen Gremien und Parlamenten in der Region IngolStadtLandDings das selbe traurige Schauspiel: Die Stimmung ist schlecht – die Außenwirkung verheerend. Jeder fühlt sich missverstanden, übergangen, angegriffen, ungerecht behandelt, bedrängt, überrumpelt, uninformiert, nicht wertgeschätzt, vorverurteilt und/oder einfach Scheiße. Man/frau ist verletzt, beleidigt, verstimmt, eingeschnappt, sauer, traurig, grantig, aggressiv, uneinsichtig, stur, rechthaberisch und/oder total betroffen von was auch immer.

Zu den faktischen Fakten kommen alternative Fakten, die von postfaktischen Fiktionen und fiktiven Postfakten ergänzt werden. Zur Bestürzung gesellt sich die Verwirrung, die wiederum Unsicherheit auslöst, die durch übersteigerte Selbstdarstellung umgehend kompensiert wird. Was für einen Psychologen ein wahres Fest ist, kann für denjenigen, um dessen Bauprojekt es gerade in einem kommunalpolitischen Gremium geht, sehr sehr anstrengend werden. Im schlimmsten Fall stellen sich nun auch beim Beobachter Schuld- oder Angstgefühle, Depressionen, Aggressionen oder sogar Politikverdrossenheit ein. Doch dazu sollte es nicht kommen! Hier ist eine Gruppentherapie dringend angesagt!

Der Verband zur Deeskalation von kommunalpolitischen Gremien – kurz DeKoG – hat jetzt die Aufnahme von Therapiesitzungen in die Geschäftsordnung lokaler Parlamente angeordnet. Demnach sollen alle Beteiligten eine Stunde vor der eigentlichen Zusammenkunft in lockerer Atmosphäre zunächst einige Entspannungsübungen absolvieren, zusammen ein Lied singen und sich dann unter professioneller Anleitung ihren Frust von der Seele reden. Ähnlich wie bei den Sitzungen von Selbsthilfegruppen würde sich zunächst jeder vorstellen: „Hallo, ich bin der Ch. und ich habe ein Problem mit J.“ In Ingolstadt hat ein Testlauf dieser Therapiepflicht bereits erstaunliche Erfolge gezeigt: Die jüngste Sondersitzung zum Fragenkatalog der Opposition bezeichnen die Psychologen, die das Ganze beobachtet haben (fälschlicherweise wurde in diese Sitzung ein enormes Interesse von Seiten normaler Bürger hineininterpretiert, die Zuschauerbänke waren aber gefüllt mit zwei Seminaren des Lehrstuhls für Psychologie und Verhaltensforschung der Alkoholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt) als „erfreulich deeskalierend“.

Über die Verabreichung von Cannabis als Stimmungsaufheller wird trotzdem noch nachgedacht, falls klassische Behandlungsmethoden bei Kommunalpolitikern nicht anschlagen.

Foto: Photografee.eu

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